18.12.2015

Ein Fest für die Hochschulen in Baden-Württemberg?

Vorweihnachtliches Geschenk finanzieren sich die Hochschulen zum größten Teil quasi selbst

Das Wissenschaftsministerium legt den 100 Mio. Euro schweren „Fonds erfolgreich studieren in Baden-Württemberg“ (FESt-BW) für die Hochschulen im Land auf. Damit soll vor allem der individuelle Studienerfolg befördert werden und mehr Studierende erfolgreich zum Abschluss geführt werden.

Vor allem die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) tun bereits enorm viel um den Studienerfolg zu steigern und die Qualität von Lehre und Studium abzusichern. Noch im März bescheinigte eine vom MWK beauftragte Studie dem Land Baden-Württemberg und insbesondere den HAW eine sehr gute Leistung:

„Besonders niedrig ist der Schwund an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften und an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (zusammen: 9 Prozent). Hohen Schwund weisen unter anderem die Fächer Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften an den Universitäten auf.“

Insofern sehen sich die HAW auch durch die jetzt angekündigte und teilweise ausgeschriebene Initiative des Landes bestätigt, sehen jedoch ihre Planungssicherheit und so manches erfolgreiche Projekt sowie die eine oder andere ganz konkrete Maßnahme im Sinne noch höherer Erfolgsquoten durch den Wettbewerbs- und Projektcharakter des Vorhabens gefährdet. Die hohe Qualität der Studienangebote – auch und gerade für Studierende mit sehr heterogenen Vorbildungen und Hintergründen – ist eine Daueraufgabe, die die HAW bereits seit 2006 sehr ernst nehmen. Eine solche Daueraufgabe bedarf aber auch einer dauerhaften Struktur an den Hochschulen und einer möglichst hohen Planungssicherheit.

Woher das Geld für den neuen Fördertopf kommt verschweigt das MWK in seiner heutigen Pressemitteilung. Und genau hier sehen die HAW das Problem: Drei Viertel der Summe wird von den für die Finanzierung von zusätzlichen Studienanfängerplätzen vorgesehenen Mitteln des Bundes zunächst abgezogen, um sie den Hochschulen dann über mehr oder weniger aufwendige, wettbewerbliche Ausschreibungen und Umwege wieder anzubieten. Ein Viertel legt Frau Ministerin Bauer selbst unter den Weihnachtsbaum, wobei noch teilweise offen ist, in welchen Tranchen, mit welchen Summen ausgeschrieben wird und wie sich die Gesamtsumme am Ende errechnet.

Mit ihrer gewachsenen, etablierten, sich ständig weiterentwickelnden anwendungsorientierten Lehre auf einer wissenschaftlichen Basis, in enger Verzahnung mit der Praxis, haben die HAW längst ausgezeichnete Erfahrungen gemacht und verweisen auf beispielgebende Erfolge.

Die HAW stellen sich dieser „Umwegfinanzierung“, gehen aber davon aus, dass ihre Leistungen im wettbewerblichen Vergleich zu einer zusätzlichen Honorierung führen müssten und werden.