05.04.2016

Baden-Württembergische Hochschulen nehmen die neuesten Entwicklungen in Hessen zustimmend zur Kenntnis und fürchten um ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit

Die baden-württembergischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) begrüßen die Entwicklungen in Hessen: dort verfügen die HAW seit diesem Monat ganz offiziell und „gesetzlich verbrieft“ über ein Promotionsrecht für forschungsstarke Fachrichtungen. Was im schwarz-grünen Hessen möglich ist, dürfte im vermutlich bald grün-schwarzen Baden-Württemberg nach Ansicht der HAW-Rektorenkonferenz schon alleine aus Wettbewerbsgründen kein Tabu mehr sein – zumal die Wissenschaftspolitik in den anstehenden Koalitionsgesprächen eher zu den Konsensthemen der potentiellen neuen Regierungspartner zählt.

Am 18. März 2016 hat der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) die Richtlinien für das neue Promotionsrecht an den HAW vorgestellt. Indem nicht ganze Hochschulen das Promotionsrecht erhalten können, sondern einzelne Fachbereiche nach einer Prüfung ihrer Forschungsstärke, setze das Land auf „Klasse statt Masse“. Die HAW in Baden-Württemberg gehen nun davon aus, dass auch die neue Landesregierung im Südwesten die Notwendigkeit erkennt, diesem innovativen Beispiel im Nachbarland zu folgen und den baden-württembergischen HAW ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Durch ihre Forschung leisten die HAW in Zusammenarbeit mit den mittelständischen Unternehmen wichtige Beiträge zur erfolgreichen Struktur- und Wirtschaftspolitik des Landes. Sie sind die Hochschulen in den Regionen, sichern den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis und wirken vor Ort dem Fachkräftemangel entgegen.

Gerade in Baden-Württemberg bestehen an den HAW schon seit langem beste Voraussetzungen für eine Umsetzung des Promotionsrechts. Denn mit dem Baden-Württemberg Center of Applied Research (BW-CAR) findet seit 2014 eine hochschul- und standortübergreifende Vernetzung von Forschungskompetenz in themenspezifischen Forschungsschwerpunkten statt.

Das BW-CAR stellt die Basis und Struktur herausragender angewandter Spitzenforschung an den HAW im Land dar und sichert über transparente Kennzahlen die herausragende Forschungskompetenz seiner Mitglieder.

Hinzu kommt, dass der Landtag von Baden-Württemberg bereits 2014 im Landeshochschulgesetz (LHG) eine Entwicklungsklausel angelegt hat, die grundsätzlich genau dem Wunsch der hiesigen HAW entspricht, die ausdrücklich nicht ein allgemeines Promotionsrecht für sich proklamieren, sondern ein themenbezogenes, qualitätsgesichertes und befristetes Promotionsrecht für geeignete HAW-Verbünde.

Damit soll und kann an den HAW, anders als an anderen Hochschularten, am Prinzip des Leistungsnachweises festgehalten werden. Nur solche Professorinnen und Professoren kämen in den Genuss des Promotionsrechts dieser Verbünde, die bereits gezeigt haben, dass sie unter schwierigen Bedingungen herausragende Forschung realisieren, publizieren und erhebliche Forschungsdrittmittel einwerben können.

Hessen nimmt nun eine Vorreiterrolle ein, der Baden-Württemberg folgen muss. Obwohl die HAW im Nachbarland noch nicht über vergleichbare Strukturen wie das BW-CAR verfügen, konnten sie eine Änderung des hessischen Promotionsrechts erwirken, während Baden-Württemberg den gegebenen strukturellen Vorteil noch nicht genutzt hat.

„Was in Hessen unter Schwarz-Grün möglich ist, darf und wird in Baden-Württemberg nicht an Grün-Schwarz scheitern“, zeigt sich der Vorsitzende der HAW-Rektorenkonferenz, Bastian Kaiser, zuversichtlich. „Es schmerzt schon, dass die Hessen unsere BW-CAR-Qualitätskriterien übernehmen und in der Umsetzung des Promotionsrechts für HAW nun überholen konnten.“

Die Verleihung des Promotionsrechts an nachgewiesen forschungsstarke Professorinnen und Professoren der HAW in Baden-Württemberg wäre zwei Jahre nach Verabschiedung der „Experimentierklausel“ im Gesetz nicht nur überfällig, sondern die dringend erforderliche Konsequenz aus dem richtungsweisenden, mutigen Schritt in Hessen, um den strukturellen Vorsprung und die Wettbewerbsfähigkeit der HAW im Land zu sichern.

Weitere Infos zum hessischen Weg für die HAW zum Promotionsrecht unter: