29.07.2016

HAW in Baden-Württemberg sehen Kooperationen mit türkischen Hochschulen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gefährdet

Internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit lebt von Austausch, gegenseitigem Verständnis und von staatlich garantierter Freiheit in Forschung und Lehre. Die baden-württembergischen HAW arbeiten eng und auf vielen Ebenen mit türkischen Hochschulen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen. Diese Kooperationen sind nun durch die umfangreichen Einschränkungen für türkische Hochschulangehörige bei der Ausübung ihrer wissenschaftlichen Arbeit gefährdet.

Die nach dem Putschversuch ergriffenen Maßnahmen der türkischen Regierung bedeuten einen Angriff auf die freie Wissenschaft und die guten und engen Beziehungen der Hochschulen mit ihren türkischen Partnerhochschulen: Über 1.500 Führungspersönlichkeiten türkischer Hochschulen wurden nach Berichten bereits entlassen. Es gibt massive Einschüchterungsversuche gegenüber Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die im Ausland arbeiten und pauschale und nicht zu begründende Einschränkungen bei der Reisefreiheit.

Die pauschale Rücktrittsaufforderung gegenüber rechtmäßigen Repräsentanten der Universitäten und Hochschulen beschädigt die Wissenschaft und das Recht auf freie Forschung in der Türkei massiv und untergräbt die gewachsenen Kooperationen dieser Hochschulleitungen mit internationalen Partnern. Davon sind auch Hochschulen aus Baden-Württemberg unmittelbar in ihrer Zusammenarbeit mit türkischen Bildungsinstitutionen betroffen. Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg verurteilen dieses Vorgehen der türkischen Regierung deshalb ausdrücklich.

Die Hochschulen lehnen einen Militärputsch als angebliches "Mittel zur Wahrung der Demokratie" in der Türkei ausdrücklich und entschieden ab. Waffen und militärische Gewalt konterkarieren demokratische Ziele und Strukturen. Die Rektorenkonferenz der HAW verurteilt jedoch ebenso alle Maßnahmen, die die Hochschulen und akademischen Eliten des Landes ganz offensichtlich unter einen willkürlichen Generalverdacht stellen und mit beruflichen wie persönlichen Repressalien konfrontieren.

Die HAW in Baden-Württemberg schließen sich somit dem in der letzten Woche geäußerten Protest des Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ausdrücklich an und versichern ihren Kolleginnen und Kollegen in der Türkei ihre Sympathie und Solidarität.