02.08.2016

HAW in Baden-Württemberg zur Diskussion um das Akkreditierungssystem

Evolution statt Revolution: Hochschulen wünschen sich verlässliche Standards und ein Akkreditierungssystem, das behutsam weiterentwickelt wird. Das System jetzt neu erfinden zu wollen, ist unnötig.

Verlässlichkeit, Autonomie und Bürokratieabbau sind grundlegende Elemente, die die Rektorinnen und Rektoren der HAW im Zusammenhang mit den notwendigen Veränderungen im bundesdeutschen Akkreditierungssystem immer wieder gefordert haben. Was das nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts im Frühjahr bedeuten kann, haben die Rektorinnen und Rektoren auf ihrer jährlichen Klausurtagung auf Burg Staufeneck in Salach eingehend diskutiert.

Die Rektorinnen und Rektoren der HAW in BW machen folgende Positionen deutlich:

  • Der Beschluss des Verfassungsgerichts stellt die vorhandene externe Qualitätssicherung nicht generell in Frage, sondern mahnt die Trennung von Beratung und Entscheidung in Verbindung mit jeglicher länderspezifischer Genehmigungspraxis an. Deshalb widersprechen die Rektorinnen und Rektoren entschieden jeglichen Äußerungen, die nun die ersatzlose Abschaffung der Akkreditierung von Studiengängen verlangen.
  • Auch wenn der Beschluss sich im konkreten Fall auf eine Programmakkreditierung bezieht und hierfür die fehlende gesetzliche Grundlage bemängelt, sagt dies ausdrücklich nichts über die Qualität und Eignung dieses Verfahrenstyps zur Erreichung der Qualitätsziele aus. Die HAW befürworten weiterhin die Wahlfreiheit unter den etablierten Wegen im Akkreditierungssystem.
  • Die Akkreditierung soll im Kern die Qualität von Studium und Lehre und die damit zusammenhängenden Prozesse betreffen. Der zeitliche Rhythmus und die Abstände zwischen den Begutachtungen und Reakkreditierungen sollten bei Systemen im eingeschwungenen Zustand überdacht und angemessen verlängert werden.
  • Die Gesetzgeber in den Ländern müssen sich jetzt zügig auf eine gemeinsame Grundlage einigen und Klarheit bei der Legitimation des Systems schaffen. Dazu gehört die stärkere Einbindung der Wissenschaft in alle Verfahrensbereiche. Gesetzliche Sonderlösungen einzelner Bundesländer sind auch im Hinblick auf den europäischen Hochschulraum abzulehnen.
  • Ein Staatsvertrag, der künftig die gesetzlichen Grundlagen zur Akkreditierung vorgeben soll, sowie die nachfolgende Umsetzung in den Ländern müssen die Verantwortung der Hochschulen für die Qualität von Studium und Lehre weiter stärken. Gefordert wird ein deutlicher Abbau der Bürokratie in den Verfahren.
  • Die HAW in Baden-Württemberg haben viel Aufwand und Zeit in ihre Qualitätssysteme investiert. Vielfach wurde der Weg zur Systemakkreditierung eingeschlagen bzw. bereits abgeschlossen. Alle Maßnahmen und Anpassungen müssen behutsam vorgenommen werden und den Hochschulen Kontinuität und Sicherheit für ihre etablierten Verfahren bieten.

Diese sechs Eckpunkte sind Ausdruck einer grundsätzlichen Akzeptanz gegenüber dem derzeitigen Verfahren. Die Begutachtung der Qualitätsstandards in der Lehre durch externe Akteure hat sich an den HAW insgesamt bewährt und eine Rückkehr in eine Zeit ohne einheitliche Qualitätsstandards, ohne jegliche externe Begutachtung und Beratung und vor allem ohne die Dokumentation über die vermittelten Lehrinhalte ist für die HAW in Baden-Württemberg nicht wünschenswert.

Die Politik hat jetzt die Aufgabe, das System verlässlich, zukunftssicher und wissenschaftsadäquat aufzustellen, ohne dabei bewährte Verfahren und Regelungen erneut und grundsätzlich in Frage zu stellen.