17.10.2018

Vorsitzender erhält Ehrendoktorwürde in der Ukraine

Nationale Forstuniversität Lviv zeichnet Bastian Kaiser mit Ehrendoktorwürde aus.

Zuletzt bestimmten politische Schlagzeilen das Bild der Ukraine in Deutschland. Im November 2013 führte die Entscheidung der damaligen Regierung in Kiew auf eine Annäherung an die Europäischen Union vorerst verzichten zu wollen zu Massenprotesten. Dieses vehemente, aber friedliche Aufbegehren der Ukrainer ist als "Euromaidan" in die Geschichte eingegangen. Die darauffolgende Krimkrise, die zu der Annexion durch Russland führte, bildete den Höhepunkt der teils bewaffneten Auseinandersetzungen. Umso enttäuschter empfinden viele Ukrainer das Schweigen Europas zu den Konflikten mit Russland um die Krim und um die Donezk-Region.

Es mag deshalb auch der Wunsch nach Wahrnehmung und Aufmerksamkeit eine Rolle für die Entscheidung gespielt haben, dem Rektor der HFR und seinem Kollegen Professor Ioan Vasile Abrudan von der Universität Transilvania Braşov in Rumänien die Doktorwürde der Ukrainischen Nationalen Forstuniversität zu verleihen. Diese Universität geht auf eine Forstakademie zurück, deren 145jähriges Gründungsjubiläum und ihre Ernennung zur Universität vor 25 Jahren in diesen Tagen in Lviv in der Westukraine begangen wurden. Die Feierlichkeiten dieses Jubiläums mit Forstleuten und Vertretern forstwissenschaftlicher Fakultäten aus mehreren europäischen Ländern bildeten den Rahmen für die Verleihung der Auszeichnung, die der Senat der Universität bereits im Januar beschlossen hatte.

Seit einigen Jahren beteiligt sich die HFR insbesondere an einer jährlich stattfindenden Exkursion ukrainischer Forststudierenden nach Baden-Württemberg, die federführend und mit sehr viel persönlichem Einsatz vom früheren Büroleiter des Staatlichen Forstamtes Pfalzgrafenweiler, Frieder Hauk, organisiert wird. Er war es auch, der die ukrainische Universität mit der HFR in Kontakt brachte. Diese Exkursion unterstützt die HFR in organisatorischen Belangen, lädt Gastwissenschaftler aus Lviv ein und erarbeitet mit ihnen gemeinsam Förderanträge. Ein Antrag bei der Baden-Württemberg-Stiftung auf Unterstützungder sich entwickelnden Partnerschaft wurde vor wenigen Wochen bewilligt und wird nun die Grundlage für eine dreijährige vertiefende Kooperation sein.

"Die Ukraine ist ein beeindruckendes Land - auch in forstwirtschaftlicher Hinsicht", sagt Bastian Kaiser, "und wir sollten froh sein, dass sich die Kolleginnen und Kollegen dort in ihrem Bemühen um Kontakte zu anderen Ländern und Hochschulen nicht durch die erschwerten Umstände haben bremsen lassen. Dazu trugen insbesondere einige verdiente Kollegen der Forstwirtschaft in Baden-Württemberg bei. Es ist deshalb keine Floskel, wenn ich betone, die Auszeichnung stellvertretend auch für diese Kollegen entgegengenommen zu haben. Sie ist mir eine große Ehre, aber auch eine Verpflichtung, denn mir liegt daran, mich selbst, die Hochschule und unsere Studierenden möglichst oft und eng mit den Menschen, mit Hochschulen und mit der Forstwirtschaft anderer Ländern zu verbinden. Das erfordern die globalen Herausforderungen und das ist ein Beitrag zu einem besseren gegenseitigen kulturellen Verständnis."

Darauf abgestimmt sind die Ziele des neuen gemeinsamen Vorhabens der HFR und der Nationalen Forstuniversität in Lviv: Dabei geht es vorrangig darum, sich gegenseitig besser kennenzulernen, voneinander zu lernen, forstwirtschaftliche Problemstellungen und wissenschaftliche Lösungsansätze miteinander zu vergleichen und sich so gegenseitig zu unterstützen.

Die jetzt erfolgte Auszeichnung in der Ukraine ist für Bastian Kaiser der zweite Ehrendoktortitel. Den ersten erhielt er 2015 für sein langjähriges Engagement von der Westuniversität Vasile-Goldiș Arad in Rumänien. Diese Zusammenarbeit ist eine der Grundlagen für die kürzlich geschlossene Partnerschaft des Landkreises Tübingen und der Region Arad.