11.02.2019

Ministerpräsident Winfried Kretschmann zum Arbeitsbesuch an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg

„Nah dran. Weit voraus!“ lautet eine zentrale Aussage im Selbstverständnis der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR). Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat sich im Rahmen seines Besuchs an der Hochschule selbst davon überzeugt, wie ernst es den Professorinnen und Professoren und den engagierten Rottenburger Studierenden damit ist.

Ministerpräsident Kretschmann im Gespräch mit Professor Marcus Müller

Liegt die Zukunft des Holzbaus in der Buche? MP Kretschmann im Gespräch mit Prof. Marcus Müller (Fotos: HFR)

Der Ministerpräsident im Austausch mit Professor Harald Thorwarth

Wie sauber sind Biomasse-Heizanlagen? Der MP im Austausch mit Prof. Harald Thorwarth.

Es ist durchaus ungewöhnlich, dass ein Regierungschef sich die Zeit nimmt, vor Ort mehr und Konkretes über ganz bestimmte Aspekte der Arbeit einer Hochschule zu erfahren. Ministerpräsident Kretschmann ist nicht nach Rottenburg gekommen, um dort einen Vortrag zu halten, sondern - ganz bewusst umgekehrt -, um zuzuhören, zu lernen und nachzufragen. Er folgte damit der Einladung von Rektor Bastian Kaiser. Der hat den Ministerpräsidenten bei dessen Delegationsreisen bereits in sieben Länder auf vier Kontinente begleitet und hat auch auf Landesebene in verschiedenen Gremien immer wieder Gelegenheit, zu aktuellen Themen, Herausforderungen und politischen Entwicklungen Stellung zu beziehen. Das gilt auch für eine ganze Reihe weiterer Professoren der HFR, die zusammen in 15 landesweiten Gremien, Verbänden, nationalen Jurys und Gutachtergruppen sowie Fachausschüssen in verantwortlichen Rollen mitwirken, eine Vorstandsfunktion übernehmen oder selbst Vorsitzende sind. Das fachliche Spektrum reicht dabei vom Energiesektor, über den modernen Holzbau, die Landesinitiative zur Stärkung der biologischen Vielfalt, bis zum Vorsitz in der Landesrektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW). In solchen Funktionen stehen sie mit mehreren Ministerien der Landesregierung, jenen anderer Bundesländer und einzelnen Bundesministerien in Kontakt und Arbeitsbeziehungen. Es lag deshalb nahe, dass der Ministerpräsident sich auch einmal ein Bild davon machen wollte, in welchem Umfeld, unter welchen Rahmenbedingungen und mit welchen Partnern sich die Rottenburger Professoren ihre Expertise erarbeiten.

"Es ist Teil unseres eigenen Anspruchs an unsere Arbeit, nicht `im stillen Kämmerlein´ zu wirken, sondern unsere Erkenntnisse und unser Wissen in die Gesellschaft und in die Umsetzung zu bringen sowie ihnen zu einer Berücksichtigung in politischen Entscheidungen zu verhelfen", betont Rektor Bastian Kaiser und freut sich, dass sich seine Kolleginnen und Kollegen neben ihren Lehr- und Forschungsaufgaben auch in dieser Weise überdurchschnittlich stark engagieren und so zur Sichtbarkeit der Hochschularbeit beitragen. Dabei kommt den Experten der HFR ein grundsätzliches Merkmal von HAW-Professuren zugute, das auch Winfried Kretschmann bei seinem Arbeitsbesuch unmittelbar erfahren konnte: Die Professorinnen und Professoren an HAW kommen aus der Praxis an die Hochschule und werden nicht aus dem Wissenschaftssystem auf ihre Professuren berufen. Sie sind deshalb schon als Person und Persönlichkeiten ein Teil des Transfers zwischen Wissenschaft und Praxis, kennen `die Welt´ ihrer Forschungspartner aus eigener Anschauung und sprechen deren Sprache.

Ministerpräsident Kretschmann informierte sich an der HFR vor allem zu den Themenschwerpunkten "Sicherung und Steigerung von Artenkenntnissen in der Bevölkerung", "Folgen des Klimawandels für die Waldwirtschaft" sowie "die Rolle der Biomasse in den Szenarien der Energiewende". Dabei kam Herr Kretschmann in direkten Kontakt und vertiefende Gespräche mit Professoren, mit wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen, mit Doktoranden und den Studierenden.

In den Gesprächen und aus den Nachfragen des Regierungschefs wurde deutlich, dass ihm die Reduktion der Artenvielfalt und der Verlust der Artenkenntnisse in der Gesellschaft ein besonderes Anliegen sind und es nach seiner Auffassung nicht immer darum gehen darf, einen möglichst dichten, baumreichen Wald zu schützen, sondern es auch mal Ziel sein müsse, lichtere Strukturen zuzulassen. Die von der Landesregierung angekündigte Schaffung neuer Taxonomie-Professuren an Universitäten ist eine Antwort auf einen Teil des Problems. Die Rottenburger Experten machten jedoch auch deutlich, dass damit die Herausforderung einer höheren Sensibilität der Bevölkerung für das Artensterben und eine Revitalisierung früherer Artenkenntnisse in der Bevölkerung noch nicht gelöst sei. Hier sehen insbesondere die HAW Rottenburg und Nürtingen-Geislingen ihre Rolle und haben dem Ministerpräsidenten ganz konkrete Vorschläge dazu gemacht.

In einem direkten Zusammenhang damit stand auch die Frage, welche Baumarten die "Klimagewinner" und damit die Waldbaumarten der Zukunft in den Baden-Württembergischen Wäldern sein werden und was die Verschiebung des Artenspektrums hin zu mehr Laubhölzern für den modernen Holzbau und die Entwicklung moderner Holzwerkstoffe bedeuten wird.

Außerdem galt seine Sorge der drohenden und mit hoher Wahrscheinlichkeit kommenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) und der Frage, wie eine Ausbreitung von Wildschweinen auf Nutztierbetriebe möglichst zu verhindern wäre.

Und schließlich interessierte sich der Ministerpräsident für die Arbeiten der HFR und ihrer Praxispartner zur Emissionsverringerung von Biomasse-Heizsystemen sowie zur Steigerung der Energieeffizienz solcher Anlagen und bei der Trocknung der Biomasse.

Bevor Winfried Kretschmann zu seinem nächsten Termin aufbrechen musste, bedankte er sich bei seinen Gesprächspartnern für deren Arbeit, Vorführungen, Erläuterungen und Antworten auf seine Fragen. Es beeindrucke ihn sehr, dass und wie diese Hochschule an vielen drängenden und wichtigen Herausforderungen unserer Zeit, der Gesellschaft und des Landes Baden-Württemberg arbeite. Der Ministerpräsident bestätigte damit, dass die HFR an vielem `nah dran´ sei und in manchen Fragen sicherlich auch `weit voraus´.