04.02.2019

Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften schließen die Innovationslücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Auf der gemeinsamen Transferkonferenz von HAW BW e.V. und der Hochschulallianz für den Mittelstand in der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin zeigte sich das volle Potential des Hochschultyps. Die Bundes- und Landespolitik muss dieses Potential aber auch erkennen und nutzbar machen

Prof. Dr. Dr. h.c. Bastian Kaiser, Vorsitzender des HAW BW e.V.

v.l.n.R. Dr. Muriel Helbig, Prof. Dr. Karim Khakzar, MD Dr. Wolf-Dieter Lukas

v.l.n.R. Prof. Dr. Dr. h.c. Bastian Kaiser, Prof. Dr. Hans-Henning von Grünberg, MD Ulrich Steinbach, Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Winfried Lieber, Prof. Dr. Karim Khakzar

Dr. Jörg Haas, Dr.-Ing. E.h. Martin Herrenknecht

Sarna Röser

Abgeordente des Deutschen Bundestages in der Diskussion mit Prof. von Grünberg

Prof. Dr. Andrea Wechsler

Unter dem Titel „Wissenschaft wirksam machen - Innovationslücken schließen“ trafen sich auf der bundespolitischen Bühne VertreterInnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, um zu diskutieren, wie das Innovationssystem in Deutschland um sinnvolle Instrumente ergänzt werden kann. Im Fokus standen dabei Ideen, die die ungenutzten Potentiale der HAW im Wissens- und Technologietransfer heben und die Hochschulart ihre volle Innovationskraft entfalten kann.

Die baden-württembergische Politik wurde durch den Amtschef des Wissenschaftsministeriums Ulrich Steinbach vertreten. Er betonte in seiner Rede die Bedeutung von Transfer und des Impact von Wissenschaft für die Wirtschaftszentren des Landes. Als wichtige Innovationspartner, insbesondere für die mittelständige Wirtschaft, seien die HAW von unschätzbarem Wert. Die Vertreter der baden-württembergischen HAW bekräftigten gegenüber dem Ministerialdirektor auch gleich ihr Ziel für die Verhandlungen zum kommenden Hochschulfinanzierungsvertrag: Eine faire Grundfinanzierung, die den enormen Hochschulausbau und die hinzugekommenen Leistungsdimensionen wie die gesellschaftlichen Anforderungen an eine Hochschule im Bereich Innovationstransfer berücksichtigt.

Einen tiefen Einblick in die Bedarfe der Wirtschaft boten eine erfolgreiche Unternehmerin und zwei Unternehmer aus jeweils drei Generationen. Martin Herrenknecht, Tunnelbaupionier und baden-württembergisches Unternehmerurgestein, Jörg Haas, erfolgreicher Gründer und Manager im Bereich Cloud-Computing und Sarna Röser, Start-Up-Gründerin und designierte Nachfolgerin im 1923 gegründeten Familienunternehmen, repräsentierten ein breites Spektrum an baden-württembergischen Unternehmensprofilen. Die HAW seien Schlüsselpartner für die zukünftigen Herausforderungen der Unternehmen, die die voranschreitende Digitalisierung aller Wirtschaftsbereiche und die Suche nach geeigneten Fachkräften umfassen. Neben dem „Transfer über Köpfe“, also durch die Absolventinnen und Absolventen der HAW, müsse die Politik die Rahmenbedingungen für eine engere Verzahnung und Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft verbessern.

Wie diese ausgestaltet werden könnten, diskutierten die Hochschulrektoren Karim Khakzar und Hans-Henning von Grünberg mit dem Vertreter des Bundesbildungsministeriums, Abteilungsleiter Wolf-Dieter Lukas. Thematisiert wurden eine Aufstockung von Förderlinien für HAW-Forschung und die Entwicklung neuer Förderinstrumente. Der Transfergedanke wurde über die von der Bundesregierung geplante Agentur für Sprunginnovationen und die Idee einer Deutschen Transfergemeinschaft konkretisiert und in einer Podiumsdiskussion mit Abgeordneten des Deutschen Bundestags kontrovers diskutiert.

„Berlin kann jeder, Pforzheim muss man wollen“

Mit diesem eindrücklichen Spruch unterstrich Andrea Wechsler, Prorektorin der Hochschule Pforzheim, den Anspruch ihrer Hochschule, ein erfolgreicher Nukleus für junge, innovative Start-Up-Gründungen zu werden, auch weitab von den Szenenvierteln der Metropolen. Als Ausklang der Veranstaltung stellten vier baden-württembergische Hochschulen ihre vom Land mitgeförderten Projekte im Themenbereich Start-Up vor. Ministerialdirektor Steinbach versprach, dass eine nachhaltige Finanzierung von solchen zeitlich befristeten Initiativen und Projekten vom Wissenschaftsministerium ins Auge gefasst würde.

Die fruchtbare Zusammenarbeit des HAW BW e.V. und der Hochschulallianz für den Mittelstand bei dieser Veranstaltung auf Bundesebene hat die Hochschule Offenburg ermöglicht, die in beiden Verbänden Mitglied ist. Ihr Rektor Winfried Lieber, der auch das Gespräch mit den Unternehmern führte, wurde im Herbst in den Vorstand der Hochschulallianz gewählt und ist Mitglied im Vorstand der Rektorenkonferenz und Ländersprecher der HAW in BW.