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Hochschulen für Angewandte Wissenschaften – ein Erfolgsmodell in Baden-Württemberg

Vorsitzender Bastian Kaiser berichtet beim Jahrespressegespräch an der Hochschule Reutlingen zur schwierigen Lage der HAW und deren Forderungen für den kommenden Finanzierungsvertrag

Das Pressegespräch fand im Hangar des Studiengangprojekts IP Plane statt. V.l.n.r.: Alexander Leisner (Kanzler der Hochschule Reutlingen), Prof. Dr. Dr. h.c. Bastian Kaiser (Vorsitzender der Rektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg und Rektor der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg), Prof. Dr. Hendrik Brumme (Präsident der Hochschule Reutlingen und Vorstandsmitglied in der Rektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg), Prof. Dr. Petra Kluger (Vizepräsidentin Hochschulentwicklung), Prof. Harald Dallmann (Vizepräsident Lehre), Prof. Dr. Gerhard Gruhler (Vizepräsident Forschung). Foto: Hochschule Reutlingen.

In diesem Jahr feiert der Hochschultyp der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) sein 50-jähriges Jubiläum. Mit dem Slogan „Unglaublich wichtig“ machen die HAWs in einer deutschlandweiten Kampagne darauf aufmerksam, was sie auszeichnet: Als Innovations-motoren sind sie die treibende Kraft in der jeweiligen Region und schaffen in Forschung, Lehre und vor allem in der Praxis nachhaltigen Fortschritt. Vor diesem Hintergrund lud die Hochschule Reutlingen am 29. Juli zum Jahrespressegespräch ein, das die Rolle und die Erfolgsgeschichte der HAWs, aber auch die aktuellen Herausforderungen in den Mittelpunkt stellte.

„Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sind aus der Hochschullandschaft nicht mehr wegzudenken“, so Hochschulpräsident Prof. Dr. Hendrik Brumme. Seit der Gründung der ersten Fachhochschulen im Jahr 1969 haben sich die einstigen „Ingenieursschulen“ zu modernen HAWs entwickelt, die mit ihrem starken Anwendungs- und Praxisbezug in Lehre und Forschung überzeugen. Sie sind Vorreiter beim Wissenstransfer und zeichnen sich durch eine starke Gründungskultur aus. „Wir sind Vollanbieter im Bereich Wissen“, resümierte Brumme die Relevanz des Hochschultyps HAW.

In Baden-Württemberg studieren 110.000 der insgesamt 365.000 Studierenden an den HAWs, ergänzte Prof. Dr. Dr. h.c. Bastian Kaiser, Vorsitzender der Rektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg (HAW BW e.V.) und Rektor der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. Der Verband HAW BW vertritt die Interessen von 24 Mitgliedshochschulen in Baden-Württemberg.

Prof. Dr. Kaiser ging auf die Situation der HAWs und ihre Positionen in den beginnenden Finanzierungsverhandlungen über den Hochschulfinanzierungsvertrag ein. In den vergangenen Jahren habe es „einen unglaublichen Zuwachs an Aufgaben der HAWs“ gegeben, während zeitgleich die Studierendenzahlen anstiegen. Diese Entwicklung spiegle sich allerdings nicht in der finanziellen Ausstattung wider: „Die Mehrinvestitionen des Landes kamen nicht bei den HAWs in Baden-Württemberg an“, so Kaiser. Konkret bedeute das, die Finanzierung pro Studierendem habe im Durchschnitt seit dem Jahr 2007 um 14 Prozent abgenommen – „das ist nicht verantwortbar“, so Kaiser. Die HAWs in Baden-Württemberg richten daher folgende Forderungen an die Finanzierungsverhandlungen:

  1. Die Grundfinanzierung soll dauerhaft um 1.000 Euro pro Studierendem angehoben werden.
  2. Die HAWs fordern eine weitgehende Autonomie bei der Verwendung der Finanzmittel.
  3. Die Programmmittel sollen verstetigt werden, um etwa Stellen zu entfristen.
  4. Die HAWs fordern außerdem eine Dynamisierung der Grundfinanzierung um drei Prozent im Jahr.

Auch die Hochschule Reutlingen bekomme die finanziellen Mängel zu spüren, die sich problematisch auf die Ausstattung ausgewirkt hätten, pflichtete Prof. Dr. Brumme bei. So seien an den HAWs 40 Prozent der Stellen befristet. Wenn sich die Situation der HAWs nicht verbessere, könnten sie angesichts der Veränderungen und künftigen Entwicklungen auf Dauer nicht wettbewerbsfähig bleiben, so Brumme. Trotzdem glänze die Hochschule Reutlingen mit hervorragenden Rankingergebnissen und Auszeichnungen. Erst gestern war offiziell bekannt geworden, dass die Fakultät ESB Business School die begehrte internationale AACSB-Akkreditierung erhalten habe.