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Wie bitte?

Leserbrief von Michael Braun spricht den HAW aus der Seele

In der regelmäßig im Tagesspiegel erscheinenden Kolumne "Turners Thesen" bespricht der ehemalige Berliner Wissenschaftssenator Prof. Dr. George Turner seine Sicht auf die Wissenschaftslandschaft. Dabei diskutiert er ebenfalls regelmäßig das Thema Promotionsrecht für HAW sehr prinzipiell und immer sehr negativ. Ständige Wiederholung der selben Thesen machen sie aber nicht richtiger, zumal seine zu Grunde liegende Prämisse, nämlich dass die HAW ein allgemeines Promotionsrecht wie bei den Universitäten fordern würden, schlicht falsch ist.

Deswegen veröffentlicht der HAW BW e.V. diesen Leserbrief von Prof. Dr. Michael Braun, Präsident der Technischen Hochschule Nürnberg, zum Artikel "Bestraft auch die Doktoreltern für Plagiate!", erschienen im Tagesspiegel vom 17.02.2019 (Link siehe Unten). Die Ausführungen von Herrn Braun sprechen den HAW/FHs vermutlich in ganz Deutschland aus der Seele:

 

"Professorinnen und Professoren an deutschen Universitäten nehmen zu viele Promovierende an, die sie eigentlich gar nicht ausreichend betreuen können. Sie sind also mitverantwortlich, wenn es zu Plagiatsvorwürfen kommt. So weit so gut. Diese Meinung kann man teilen oder nicht. Aber jetzt kommt der Nachschlag: "Die große Zahl von Promotionen, zum Teil über abwegige und nichtssagende Themen, entwertet den Titel. Auch unter diesem Aspekt wäre es ein Fehler, den Fachhochschulen das von diesen begehrte Promotionsrecht zu gewähren". Wie bitte? Das ist ja eine kuriose Schlussfolgerung. Weil die Qualitätssicherung an den deutschen Universitäten in vergleichsweise seltenen Einzelfällen nicht ausreichend funktioniert und weil angeblich über belangloses Zeug promoviert wird, muss den Fachhochschulen das Promotionsrecht verwehrt werden? Richtig muss es heißen: "Doktorarbeiten sind ein wichtiges Element wissenschaftlicher Leistung im deutschen Hochschulsystem. Die Promotion entspricht dem höchsten Niveau des Deutschen und des Europäischen Qualifikationsrahmens. Sie anzustreben ist eine persönliche Entscheidung, die - anders als bei der Habilitation - auch unabhängig von einer späteren Tätigkeit in Wirtschaft oder Wissenschaft getroffen wird. Die Dissertation sollte nur dort angefertigt werden, wo die wissenschaftliche Qualität, die Qualität der Betreuung und ein adäquates wissenschaftliches Umfeld gewährleistet sind - unabhängig von der Hochschulart und damit auch in forschungsstarken Bereichen der Hochschulen für angewandte Wissenschaften, die nicht dafür bekannt sind, sich mit abwegigen und nichtssagenden Themen zu beschäftigen."

Prof. Dr. Michael Braun, Nürnberg